Graskarpfen zur Gewässerpflege: Ein Irrglaube mit Folgen
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Graskarpfen zur Gewässerpflege: Ein Irrglaube mit Folgen!
Der Einsatz von Graskarpfen zur „Entkrautung“ von Gewässern erscheint zunächst als einfache und natürliche Lösung. Tatsächlich kann diese Methode jedoch erhebliche Schäden für das ökologische Gleichgewicht verursachen und neue Probleme schaffen.
Graskarpfen unterscheiden nicht zwischen unerwünschtem Pflanzenbewuchs und ökologisch wertvollen Wasserpflanzen. Sie fressen bevorzugt weiche Unterwasserpflanzen wie Laichkräuter, Armleuchteralgen und Wasserpest. Diese Pflanzen bieten Fischen, Insekten und anderen Wassertieren wichtige Nahrungs-, Schutz- und Laichplätze.
Werden die Unterwasserpflanzen stark reduziert, verliert das Gewässer wichtige Lebensräume. Gleichzeitig können Nährstoffe, die zuvor von den Pflanzen gebunden wurden, vermehrt Algenwachstum fördern. Die möglichen Folgen sind trüberes Wasser, Sauerstoffmangel und ein weiterer Rückgang der Pflanzenbestände.
Auch eine dauerhafte „Entkrautung“ ist nicht garantiert. Graskarpfen werden groß und alt, ihr Fraßdruck lässt sich nur schwer steuern. Schilf und Seerosen werden häufig verschont, während wertvolle Unterwasserpflanzen verschwinden können. Eine spätere Regulierung oder Entfernung der Tiere ist zudem mit erheblichem Aufwand verbunden.
Der Graskarpfen gilt als gebietsfremde Art (Neozoon). Deshalb sollte ein Besatz nicht als Standardmaßnahme zur Gewässerpflege betrachtet werden. Vorher müssen die Ursachen des starken Pflanzenwachstums untersucht werden, beispielsweise Nährstoffeinträge, geringe Wassertiefen oder fehlende Beschattung.
Sinnvoller sind fachlich abgestimmte Maßnahmen wie die Verringerung von Nährstoffeinträgen, der Schutz wertvoller Pflanzenbestände und eine gezielte, punktuelle mechanische Pflege. So kann die Gewässerentwicklung unterstützt werden, ohne wichtige Lebensräume zu zerstören.
Fazit: Graskarpfen sind kein unkomplizierter „Rasenmäher“ für Gewässer. Ein unüberlegter Besatz kann das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen und langfristig mehr Probleme verursachen, als er löst.
Quellen:
– Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie: Leitlinie „Graskarpfen in Aquakultur und Fischerei in Sachsen“
– Bundesamt für Naturschutz: Fische – Informationen zu gebietsfremden und invasiven Arten
– Bundesamt für Naturschutz: Auswirkungen gebietsfremder Arten auf Natur und Landschaft
Mit sportlichen Grüßen,
Daniel Haberzettl
Vorsitzender des Angler-Verein Neptun e.V.
Tags :
Aktuelles,Artenschutz,Aus den Vereinen,Naturschutz,sonstiges
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